Es ist ziemlich in der Früh, er ist noch nicht so richtig wach.
Aber schon etwas klopft in ihm und sagt: „Herr Müller, es ist Tach!
Zwar ist’s gerade nicht die Arbeit, die dich ruft, doch es gibt schrecklich viel zu tun.
Also ab jetzt in die Puschen. Na, nu sieh man endlich zu!
Geschnarcht hast du genug, ich kann’s beileibe nicht mehr hör’n!“
„Jaja, ich steh ja schon auf – ich bin ja nicht gestört.“
Und so schiebt Müller sich ins Bad, während er eigentlich noch schläft,
Und grummelt leise vor sich hin, weil er das Treiben nicht versteht.

Doch dann beim Frühstück, als der Kaffeeduft die Lebensgeister weckt,
Denkt Müller: Ach, der Samstag ist doch eigentlich ganz nett.
Trotz unchristlicher Stunde und er fragt sich noch, wieso
und überhaupt, doch längst stimmen das Essen und die Zeitung ihn sehr froh.
Er ist versöhnt mit diesem Tage und nun schmatzt er voll Genuss.
Die gute Erna lächelt nur. Sie kennt den Werner ja recht gut.
Und weiß: Vorm ersten Käffchen ist mit ihm nicht Pferde stehl‘n.
Drum ist sie immer früher wach und macht’s ihn‘ beiden gern bequem.

Und während sie schon bald im lauschigen Plausche vertieft,
fragt sich Müller plötzlich wieder, was ihn aus dem Bette rief.
Und dann: „Ach Mensch, es ist ja Markt! Herrje, wie konnte ich das vergessen?!
Liebste Erna, es tut mir leid, wir sehen uns später dann beim Essen.
Ich bring dir auch was Schönes mit. Und brauchen wir noch was?
Ein Sack Kartoffeln, ’n paar Karotten, ja, das krieg ich schon gepackt.
Petersilie, saure Gurken und vielleicht noch frisches Brot.
Alles klar, ist schon notiert. Du, ich muss jetzt auch schon los.“

So eilt er aus dem Hause, legt den Hut noch auf den Kopf.
Er ist bei seinem schnellen Gang in fünf Minuten in der Stadt.
Und als dann Müllers Fuße auf das Kopfsteinpflaster trifft,
hat ihn das Treiben schon erfasst und zieht ihn nun auch fleißig mit.
Es ist der Puls von Leben, der hier pocht, so kennt und liebt er das.
All die Gerüche und das Murmeln, und die mühelose Hast.
Er ist gerne hier zum Schauen, zum Bummeln und natürlich auch zum Klönen.
Mit einem Lächeln taucht er ein, will voll und ganz dazugehören.

Er dreht wie immer erst ne Runde, um sich gemächlich einzustimmen.
Saugt das alles in sich auf, denn es bereichert seine Sinne.
Und es dauert gar nicht lang, da hört er sich schon eifrig grüßen.
„Fräulein Weber, Herr Malinowski, sie sind alle auf den Füßen.
So geht es noch ein Weilchen, bis der Glockenschlag erklingt,
wie als Signal für ihn, nun endlich mit dem Einkauf zu beginn‘.
Er verabschiedet sich noch höflich von Frau Meier, die ihr Wehleid ihm geklagt.
Genug von Krankheit und Gejammer, jetzt erleben wir den Tag.

Zunächst zieht’s ihn zur Käsetheke, auch wenn’s meistens ziemlich riecht.
Es hat was Altes, so mit Würde, und zugleich sehr exquisit.
Und er nimmt diesmal ein Stück mehr, ja, weil ihm einfach danach ist.
Eines mit Löchern, also fällt das wohl nicht weiter ins Gewicht.
Ein Stückchen weiter kauft er Schinken, ja, das darf auch schon mal sein.
Bei seinem Lächeln wird der Arzt ihm das wohl sicherlich verzeihen.
Um zu beweisen, dass ihn trotzdem die Gesundheit wirklich sorgt,
Wandert danach noch eine bunte Ladung Obst in seinen Korb.

So erledigt er den Einkauf nach und nach und lässt sich dabei gern berieseln
von dem Trappeln und den Rufen und dem ganzen ferner liefen.
Und er denkt sich: Ach, wie schön. Zumindest darauf ist Verlass.
Bis er sich später schließlich fragt, ob er denn jetzt auch alles hat.
Und nein, das wäre schlimm, ein Sträußchen für die Erna muss schon sein.
Schließlich erträgt sie seine Launen und ist immer Sonnenschein.
Um ihr zu zeigen, was sie ihm wert und dass er ihre Liebe braucht,
sucht er mit größter Sorgfalt nur die schönsten Blümchen aus.

Danach ist Zeit für’n kleines Päuschen bei ner Curry und nem Plausch.
Der feine Kurt, er steht schon da, ganz offensichtlich gut gelaunt.
Und so hört man die beiden bald lauthals erzählen und lachen.
So jung komm‘ wir nicht mehr zusammen, da kann man schon mal Späßken machen.
Später dann schreibt der Werner der Erna: „Schatz, du brauchst heute nicht kochen.
Du weißt Bescheid, die Erbsensuppe, Mensch, die haut dich aus den Socken!
Der Geschmack und auch der Dufte, ja, das zieht durch Markt und Bein.“
Und so nimmt er wie gewohnt ein Eimerlein davon mit heim.

Während der Müller dann alsbald den Weg nach Hause auf sich nimmt,
Spürt man auch, wie nun am Platze schon das Einpacken beginnt.
Überall stehen leere Kisten inmitten emsiger Geschäftigkeit.
Einige Augen sind schon müd, man ist sich einig: Es wird Zeit.
Ein paar letzte Rufe noch, die einmalige Schnäppchen verkünden.
Eine Kehrmaschine dreht gemächlich brummend ihre Runden.
Wenig später liegt der Platz ein bisschen einsam und verlor‘n.
Doch keine Sorge, es beginnt ja auch schon bald wieder von vorn.

 

Ursprünglich geschrieben als Beitrag zum Scala-Bingo in Wesel, wo man unter anderem auch einen Eimer Erbsensuppe vom Großen Markt gewinnen konnte.

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