Landidyyle mit Buch - für Poetry Slam Text zu Annette von Droste-Hülshoff
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Der folgende Poetry-Slam-Text ist inspiriert vom Leben und von den Werken der deutschen Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Geschrieben für die Lesebühne „Slam die Droste“ im Mai 2019 im Baumberger Sandstein-Museum in Havixbeck.


 

Es ist nicht leicht, an gestern noch zu denken,

während sich die Worte heut schon neu ergießen

und Gepflogenheiten ständig enden,

während um uns rum stets weit‘re sprießen.

Doch ab und an, da schafft es wer

und überdauert all die vielen Jahre.

Die Gedanken bohren sich gleich einem Speer

hinein in manches Herz und öffnen Pfade.

Was sonst schon lange in Vergessenheit geraten,

wird so zu einem tüchtigen Begleiter.

Erzählt vom Sagen und von Taten,

stimmt manchmal traurig, manchmal heiter.

Springt dann bald weiter auf den Nächsten,

um tapfer der Vergänglichkeit zu trotzen.

Der Zeiten Käfig lockert seine Stäbe

und lässt so die Zukunft offen.

 

Von Zeit zu Zeit, da sehnt es mich,

ein altes Büchlein aufzuschlagen.

Ich schau kurz rum, verschämter Blick.

Es ist nicht üblich, muss man sagen.

Und doch, steckt erst die Nase drin,

so ist mein Geist schon bald gefangen.

Die Stunde flieht, der Abend rinnt,

und ich schweb immer noch von dannen.

 

Ich find mich wieder in Gedanken

einer Dame, die noch mancher kennt.

Vielleicht des Geldes wegen aus den Banken

oder weil das Herz für Lyrik brennt.

Vielleicht auch aus der Schule,

denn dort war sie vielen sehr präsent.

Man las ihr Buche von der Buche

und vielem mehr, was man gut kennt.

Es ist ein Weilchen her, dass sie geschrieben,

und seitdem ist einiges passiert.

Was wusste sie denn schon von unsern Krisen,

wie es sich anfühlt, wenn man Follower verliert?

Das Gefühl, ständig im Stau zu stehen,

oder auch Stunden auf dem Gleis.

Damals war es draußen schön

und heute bloß noch nice.

Ich bin gar neidisch auf die Zeit,

in der noch alles leichter war.

Denn heute steht die Zukunft stets bereit,

aber die andern sitzen an der Bar.

 

Von alldem kann sie nicht groß erzählen,

denn sie hat’s beileibe nicht erlebt.

Sie durfte ja nicht einmal wählen.

… Oh Gott. Das ist echt nicht okay.

Und plötzlich wird es sonnenklar,

was uns verbindet durch die Zeit.

Denn eines wird wohl niemals rar:

Es ist die Ungerechtigkeit.

Sie hatte keine Wahl,

und das nicht einmal für den Gatten.

Für uns sind Möglichkeiten eine Qual,

immerhin woll’n wir alles richtig machen.

Und so sind’s vielleicht verschied’ne Gründe,

die uns gleich das Herz erschweren.

Aus Erfahrung lebt die Sünde

und wird wohl auf ewig wiederkehren.

 

„Der Friedrich hängt noch immer dort“,

so ruft es manchmal durch den Wald.

Denn die Menschen lösen immerfort

ihre Probleme durch Gewalt.

Und Vorurteile haften fest,

sie suchen sich bloß neuen Grund.

Auf dass Realität und Manifest

und selbst verständnisvoll Erläuterung

sich niemals recht zu wehren wissen.

Warum hört es denn nicht auf?

Nicht einmal an uns selbst könn‘ wir es missen,

denn laut Annette sind ja auch die Paderborner nicht gut drauf.

Doch werden wir’s nicht lösen jetzt,

so les ich lieber noch was mehr.

Darunter gibt’s auch Schöneres

und es bereichert schnell mein Herz.

 

Wenn sie schreibt, wie kleine Eigenheiten nerven

und der Liebe ihren Atem rauben.

Sich zwei Menschen darum zunehmend entfernen

und die Gespräche mühsam taumeln.

Doch sobald es mal Probleme gibt,

mit denen sie die Welt bedroht,

zeigt die Vertrautheit sich so tief

und führt die Liebe wieder hoch.

Man ist sich gut und weiß das auch,

und während ich das lese,

da rinnt erfüllt und leisen Laufs

über mein Wängchen eine Träne.

 

Die Hände blättern weiter schon

und stoppen manchmal hier und dort.

Aus all den Seiten fließt der Lohn

und zeigt dabei mir manch vertrauten Ort.

Es scheint unglaublich, wie die Worte mich

durch die Jahrhunderte erreichen.

Und mit sanftem Schub ganz vorsichtig

mich durch den Tag geleiten.

 

Und wenn später dann der Schlaf nicht überkommen will,

durchwachte Nacht die Sinne schärft.

Man könnte meinen, es wär still,

doch rundherum Geräuschemeer.

Dann liegen wir gemeinsam da,

während die Stunde stetig schlägt.

Bis irgendwann die Sonne gar

sich rot über den Horizont erhebt.

Jedes Mal, wenn ich nicht schlafen kann,

so weiß ich nun, was ich dann lese.

Und statt der Tage Tatendrang

mich in die Zeilen lege.

Sie beruhigen mich und helfen mir

dabei, die Sinne bald zu fassen.

So entsteht stetig was Neues hier

aus dem Althergebrachten.

 

Von Zeit zu Zeit, da sehnt es mich,

ein altes Büchlein aufzuschlagen.

Ich schau kurz rum, verschämter Blick.

Es ist nicht üblich, muss man sagen.

Und doch, steckt erst die Nase drin,

so ist mein Geist schon bald gefangen.

Die Stunde flieht, der Abend rinnt,

und ich schweb immer noch von dannen.

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