Diesen Text zum Thema Heimat habe ich ursprünglich geschrieben für die Eröffnung des Zukunftsdiskurses im April 2020 in Hannover. Geplant von der Leibniz Universität Hannover gemeinsam mit der Akademie für Raumforschung und Landesplanung. Leider musste die Veranstaltung kurzfristig abgesagt werden. Also habe meinen Beitrag über Heimat, raumgebezogene Identitäten und Regiobranding vom heimischen Wohnzimmer aus performt. Sodass die geplanten Teilnehmer*innen zumindest über das Video daran teilhaben konnten.

„Der Ort, der mich geprägt und der mein Herz für immer hält“

Heimat ist der Ort, an dem ich weiß, dass ich ein Teil bin.
Wo jeder Schritt sich so vertraut anfühlt und mich Erinnerung‘ begleiten.
Wo ich habe, was ich liebe, und auch was ich manchmal hasse.
Wo der Bäcker mich nett grüßt oder die Dame von der Stadtsparkasse.

Der Ort, der mich geprägt, und der mein Herz für immer hält.
Und was bleibt, auch andernorts, denn ja, ich trag es in die Welt.
Und sie ist das, was ich vermiss, wenn ich’s mal nicht mehr um mich hab.
Das hätt ich früher nicht gedacht – doch ich komm gern zurück in diese Stadt oder vielleicht auch dieses Kaff.
Es kommt doch sowieso nicht auf die Größe an.
Sondern mehr darauf, was wir Schönes haben.

Heimat ist das, was man nicht immer sofort sieht, aber man spürt es schließlich doch.
Wie die Menschen sich bewegen und erzählen, währ‘nd es pocht
in ihrem Innern, denn sie fühlen die Verbindung und du denkst:
Jetzt fühl‘ ich’s auch.
Wenn du erst zuhörst und erlebst und so schon bald die Lieblingsorte kennst.

Heimat ist das, was ich nicht missen will – egal meine oder and’re.
Ob ererbt oder gewählt, am Schiff des Lebens bleibt sie Anker.
Und so verschieden wir auch sind, so ist der Ort uns ein Geschenk,
das uns verbindet, weil jeder ihn auf seine Weis von ganzem Herzen Heimat nennt.

„Wir wissen, dass Heimat nicht Stillstand bedeuten darf.“

Aber manchmal ist Heimat auch der Ort, den wir hinter uns lassen. Weil wir hier keine Chancen für uns sehen, weil hier nicht viel los ist, weil sich einfach nichts verändert – und wir brauchen Veränderung. Heimat ist Schutz, doch manchmal ohne Perspektive. Ist nur Floskel und Schönrederei, wenn wir nicht als Menschen auch weiterhin dahinterstehen und sagen können: Das ist das, was uns ausmacht. Und auch weiterhin ausmachen kann, während die Welt sich weiterdreht und man allerorts von Zukunft spricht. Heimat ist viel – doch vor allem das, was wir gemeinsam daraus machen.

Wir sind hier, weil wir wissen, dass Heimat nicht Stillstand bedeuten darf. Weil die Welt sich verändert, unaufhaltsam und immer schneller, und auch wir Bewegung zeigen müssen. Uns manchmal lösen von Traditionen und neue erschaffen, damit wir uns auch weiterhin darin wiederfinden können, ohne erdrückt zu werden vom Staub des Vergangenen, der uns beständig auf den Atem schlägt.

Wir sind hier, weil wir nicht zulassen können und wollen, dass Heimat vereinnahmt wird, um Grenzen zu ziehen und Mauern zu errichten, anstatt uns freier Raum und Fundament zu sein. Weil wir die Menschen vereinen möchten, aber nicht gegen, sondern für etwas. Weil wir die Zukunft mit ihnen gemeinsam gestalten wollen und schließlich dasselbe auf ganz verschiedene Weise Heimat nennen. Heimat ist ein Gefühl, das es zu wahren gilt. Das Halt und Orientierung bieten kann, doch nur wenn es nicht im gleichen Zug den Weg versperrt.

Wir sind hier, weil Heimat schön ist und noch viel schöner sein kann, wenn wir gemeinsam daran arbeiten. Wir sind hier, weil wir bereit sind, Heimat neu zu denken.

„Heimat leben heißt auch: Heimat prägen.“

Nur tun sich viele Fragen auf, die uns noch zaudern lassen:
Wenn die Herausforderungen groß, wie können wir das alles schaffen?
Bitte wie finden wir das, was uns gemeinsam definiert?
Und wie gestalten wir die Zukunft, ohne uns drin zu verlier‘n?
Wer sagt, wohin es geht? Und wer hilft fleißig dabei mit?
Muss das alles gleich jetzt sein, oder geht’s einfach Schritt für Schritt?
Und wenn wir sagen, das muss so und so, sehen die Leute das dann auch?
Utopie, ja schön und gut, doch wofür eigentlich genau?

Und so verlier’n sich die Gedanken schnell in Akten und Beschlüssen.
Im Briefing aus dem Marketing, was wir jetzt alles sagen müssen.
Doch es geht nicht nur darum, in großen Worten all das Schöne aufzuzeigen.
Sondern zunächst im Kleinen zuzuhör’n und die Akteure zu vereinen.
Mit ihnen schauen, was wir hier haben jenseits all uns‘rer Broschüren.
Wo sie sich glücklich fühlen und die Heimat wirklich spüren.
Statt Ratssitzung und Vorstandstreffen lieber lauschige Werkstattgespräche.
In beherzter Atmosphäre.
Denn hier trifft man gemeinsam auf den Kerne der Materie.

Und wer weiß, auf was man noch so trifft. Sind die Gedanken erst dabei,
wirkt vieles plötzlich leicht und man wächst weiter in die Zeit.
Bewertet vielleicht anders, wenn die Perspektive sich nun dreht.
Denn wo Altes nicht mehr wirkt, hat Neues Raum, um zu entstehen.
Und so kann es dann doch funktionieren mit Fortschritt und Wandel.
Da kann dann das Vorhandene erstrahl‘ in neuen Formen, die es annimmt.
Gespannt in ein Gedankennetz, das schon die Zukunft in sich trägt,
Findet manch gute Idee nun ihren Fuße auf den Weg.

Denn Heimat leben heißt auch: Heimat prägen.
Gemeinsam und mit Rücksicht auf das Heil uns’res Planeten.
Und ganz allmählich im Diskurs um Regionalität
Entsteht ein ganz neuer Komplex aus raumbezogener Identität.
Ein Ort, den wir Zuhause nennen, und das auch ohne dass wir müssen.
Der sich anfühlt wie gewachsen und nicht erkoren in Beschlüssen.
Der bereit ist für all das, was sich im ständ’gen Wandel so ergibt.
Das gelingt mit etwas Tatendrang und einem Hauch von Fantasie.

„Heimat ist vielfältig in ihren Ausprägungen, doch vereint im Kern.“

Und es ist dabei vollkommen egal, ob du Spaziergänge am Norddeich liebst, den endlosen Blick über die Felder oder eine Runde durch den Teutoburger Wald. Ob du das Essen deiner Großmutter vergötterst oder lieber Dinkelnudeln mit veganer Bolognese den Vorzug gibst. Heimat heißt noch lange nicht, immer einer Meinung zu sein. Heimat ist vielfältig in ihren Ausprägungen, doch vereint im Kern. Sie ist nicht Schranke, sondern vielmehr das, was uns zusammenhält.

Heimat sind Geschichten und Gespräche und der gemeinsame Blick über den Tellerrand. Und das nicht nur hier, sondern auch dort und überall, wo Menschen sich zusammenfinden. Und es ist ganz egal, ob du „Moin“ sagst oder „Gude“, ob „Grüß Gott“, „Glück auf“ oder „Muss ja“. Heimat ist ein Netz – ein Mosaik aus ganz verschiedenen Gesichtern. Heimat sind Orte und Worte, sind Gerüche und Geschmäcker, sind Gedanken und Erinnerung. Und der Wille, eine lebenswerte Zukunft mitzudenken und sie hochzuhalten und zu tragen mit vereinten Händen.

„Heimat neu entdecken …“

Drum lasst uns gemeinsam sammeln und bebildern und so Heimat neu entdecken.
Pfeifen mal auf Schema F, denn wir beleuchten die Facetten.
Um daraus ein Fundament zu gießen, auf dem dann auch die Zukunft sicher steht.
Analog und digital gedacht, wohin es uns auch trägt.
Wie man aus Schwächen Stärken macht und sich ganz neu erfindet.
Wie Heimat uns frei atmen lässt und gleichzeitig verbindet.
Wie wir uns’re Ziele finden und auch welche Route dorthin führt,
das lasst uns zusamm‘ ergründen nun mit Input und Gesprächen hier in lebhafter Runde im Zukunftsdiskurs.

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